zum Nordkap Tag 7

  • Morgens schaute ich nochmals die Wetterdaten in Finnland an. In Munio, bei dem Familienresort bei dem wir geladen und unser Mittagessen hatten, hatte es -31 Grad. Zum Glück waren wir dort längst vorbei. Noch ein letzter Blick vom Hafen in Honningsvåg aus, direkt vor unserer Abfahrt zum Nordkap:


    Entgegen meinem gestrigen Blog musste ich feststellen, dass wir durch keinen Meerestunnel mehr zur Nordkapinsel fahren mussten, denn Honningsvåg liegt bereits auf der Nordkapinsel (ich habe den vorherigen Artikel korrigiert). Also sollten die restlichen 37 km ein Klacks sein. Im Sommer sicherlich, aber im Winter sind die letzten 12 km der Straße gesperrt und nur im Konvoi hinter einem Schneepflugzur Durchfahrt freigegeben. Der Schneepflug fährt derzeit morgens um 11 Uhr, um 12 Uhr und nochmal abends. Schon die Anfahrt ohne Schneepflug zeigte uns, dass in den Höhenlagen der Schneesturm über Nacht kein bisschen nachgelassen hatte.


    Obwohl nur wenige Grad unter 0 hatte, beschlossen wir uns sehr dick anzuziehen. An der Straßensperrung angekommen, wartete bereits eine Reihe von Fahrzeugen hinter dem Schneepflug an der geschlossenen Schranke. Wir trauten unseren Augen nicht, es war sogar eine finischer Motorradfahrer mit Spikes dabei. Die Personen in den Fahrzeugen wurden durchgezählt. Zu diesem Zeitpunkt hielten wir den Schneepflug noch für übertrieben.


    Nach ca. 25 Minuten Warten ging die Schranke Punkt 11 Uhr hoch. Dann ging es los, erst 9% steil bergauf und kurvig, dann gingen die extremen Schneeverwehungen los. Der Schneepflug hatte immer wieder etwas zu tun. An einer Stelle hielt unser Vordermann an, denn die Sicht war wirklich unter 2 Meter. Wir konnten bei 5 Meter Entfernung nur noch dessen Rücklichter sehen, aber keinen Fahrzeugumriss. Aber er wagte sich dann doch noch im Schritttempo vor. Das Begleitfahrzeug hinten wollte schon zum Überholen ansetzen. Hier war uns spätestens klar, dass diese Sicherheitsmaßnahmen absolut notwedig sind und in keiner Weise übertrieben waren. Die letzten drei Minuten der Fahrt hatte ich wieder ein Video machen wollen, habe aber anscheinend nicht den Aufnahmestart sondern das Aufnahmeende eingeleitet. Schade, ich hatte extra "The Ecstasy Of Gold" (Ennio Morricone) aus dem besten Western aller Zeiten laufen lassen: "The Good, The Bad & The Ugly" oder auf deutsch "Zwei glorreiche Halunken" von Sergio Leone. Hört es Euch am Besten hier auf einer guten Anlage an:


    Eine kleine Anekdote mit der Parkplatzwächterin, die die Parkgebühren vor der Einfahrt zum Parkplatz kassiert:

    Sie: "Do You have an Internet Ticket?"

    pjw: "No, it's an electric car."

    Sie: "Oh, I don't know how that does work!?"

    pjw: "Usually it's free, the last time I was here it was free!"

    Sie: "Ok."

    Wir mussten schallend lachen. :thumbsup:


    Nach den Polarlichter am Tag 5 hatten wir unser zweites Ziel erreicht. YESSS!!! Auf dem Parkplatz hatte es zwar nur -7 Grad, aber es wehte ein eiskalter Wind mit Böen bis (angeblich) 50 km/h, das gefühlte -20 Grad bewirkte, aber ich denke der Wind war stärker. Wir setzten unsere Sturmhauben auf. Die Photoapparate ließen wir im Auto. Mein Stativ hätte es bei diesem Wind umgehauen. Außerdem sind die Kameras mit den vielen kleinen Knöpfen fast unbedienbar. Ich schlüpfte in meinen Expeditionsanzug.


    Im folgenden war ich wahrscheinlich an diesem Tag die einzige Person am Nordkap, die schwitzen musste. Ich fühlte mich sauwohl und wollte eigentlich gar nicht in das warme Besucherzentrum rein.:thumbsup: Auch die teuren Expeditionshandschuhe haben das gehalten, was sie verprochen hatten. Nach einem Besuch des Souvenirladens drehte ich noch alleine eine schnelle Runde um das Besucherzentrum. Der Wind hatte nochmals zugenommen.


    Da es bereits anfing dunkel zu werden, fuhren wir gleich mit der ersten Gruppe um 13 Uhr wieder zurück. Die Rückfahrt war fast genauso gefährlich. Der Schneepflug hatte schon wieder allerhand zu tun und zum Glück an den steilsten Stellen noch etwas Rollsplit verteilt. Auf dem Video kommt leider nicht heraus, was für eine Schneefontäne durch das Räumen entstand.


    Jetzt stand noch die Rückfahrt nach Alta an. Diese war zwar weniger gefährlich, aber selbst Norweger unterschätzen ab und zu die Glätte der Fahrbahn und die Schneeverwehungen:


    Ich hatte dieses unbeleuchtete Fahrzeug im Dunkeln neben der Straße und 50 cm vor der Klippe gesehen und pjw gebeten zurückzusetzen. Ca. 6 m tiefer wäre die Felsbrandung gewesen. Nachdem wir uns versichert haben, dass keiner mehr drin war, fuhren wir weiter. Einige Kilometer später kam uns ein Abschleppwagen entgegen. Dies nur als Warnung für alle, die uns folgen wollen: Lasst Euch nicht von drängelnden Norwegern, Finnen oder Schweden zu einem höheren Tempo verleiten. Lasst sie an geeigneten Stellen überholen. Denkt daran: sie fahren meistens auf Spikes und selbst die können die Grenzen der Physik nicht überwinden.


    In Alta sicher angekommen, haben wir erst Mal eine Pizza gegessen, denn wir hatten keine Mittagspause. Bei einem Austausch der Videos und der Bilder haben wir beschlossen, die Route entlang der norwegischen Küste zurück zu fahren. Ein weiterer Aufenthalt in Alta würde sich nicht lohnen, da erst am 01.01.2018 wieder mir starken Polarlichtaktivitäten zu rechnen ist. Und wer weiß schon, ob da der Himmel nicht bedeckt ist. Außerdem wäre es da knapp mit der Rückreise bis zum 06.01.2018. So kann ich mich bereits jetzt schon auf die schöne Landschaft in Südnorwegen und die elektroautomobile Hauptstadt der Welt, Oslo, freuen.


    Die Videozusammenfassung:

    Die Statistik:


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Comments 2

  • Danke für die Eindrücke und Fotos. Weiterhin gute Fahrt.
  • Vielen Dank für den tollen Reisebericht! Ich beneide Euch zwei um diese Erlebnisse und wünsche Euch eine gute Heimreise!